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Das WM-Spiel schreibt Fußball-Geschichte im Altkreis

Behinderten-WM: Russland gegen Japan heute um 16.30 Uhr in Wehdem - Programm beginnt um 11.30 Uhr

Stemwede (WB). Es ist soweit: Heute kommt es in Stemwede zur Weltmeisterschaftspremiere! Um 16.30 Uhr wird auf der Wehdemer Sportanlage das Vorrundenspiel zwischen Russland und Japan der 4. INAS-FID Fußball-Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung angepfiffen.

Der Rasen auf der Wehdemer Sportanlage präsentiert sich zwar in sattem Grün, ist aber alles andere als »grün hinter den Ohren«. Insgesamt 29 internationale A-Junioren Fußballturniere wurden hier ausgespielt. Viele renommierte nationale und internationale Proficlubs mit damals jungen Talenten, die heute als Top-Profis gelten (Lukas Podolski!), haben sich in Stemwede die Klinke in die Hand gegeben bzw. das runde Leder in den Fuß gespielt.
Nun, zur WM-Premiere, wird es Zeit, dass der Wehdemer Sportplatz seinen eigenen Namen bekommt. Umfragen unter den knapp 300 Mitarbeitern des Turnier-Teams sowie der Stemweder Bevölkerung haben die Entscheidung recht leicht und eindeutig gemacht: Mit dem Stadionnamen »Ernst-Zobel-Kampfbahn« will Stemwede heute WM-Geschichte schreiben!
Der Name »Ernst-Zobel-Kampfbahn« geht zurück auf den Ehrenvorsitzenden des ehemaligen TuS »Germania« Wehdem von 1920, Ernst Zobel.
Ernst Zobel, 1902 geboren und im Jahre 1973 verstorben, wurde am 1. Februar 1947 an die Volksschule Wehdem versetzt. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Schulleitung in seinen Händen. Zum Ende des Jahres 1966/67 wurde Ernst Zobel pensioniert.
Der Sport lag ihm sehr am Herzen, was sich auch in dem von ihm geprägten Motto »Der Sport ist der Dienst an der Jugend« zum Ausdruck kommt. Jahrelang war Ernst Zobel Vorsitzender des TuS »Germania« Wehdem und wurde für seine hervorragenden Verdienste um den Verein zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Aus einer Laune heraus wurde von den damaligen Jugendspielern des TuS »Germania« Wehdem der Name »Ernst-Zobel-Kampfbahn« erfunden, der bis zum heutigen Tage immer noch ein Begriff beim TuS Stemwede ist.
Das WM-Spiel zwischen Russland und Japan ist quasi die Wiederholung des Eröffnungsspiels der INAS-FID-Fußball Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung 2002 in Japan. Damals standen sich Gastgeber Japan und das Team aus Russland im »Tokyo Stadium« in Tokio vor mehr als 11.000 Zuschauern gegenüber. Die Partie endete unentschieden 1:1. Allerdings spielte sich die russische Mannschaft im Verlauf des Turniers immer besser ein und landete am Ende auf dem dritten Platz, vor der deutschen Mannschaft, die 2002 Vierter wurde (Endstand damals: 2:0). Russland und Japan gehören zur deutschen Gruppe A bei der diesjährigen WM, komplettiert wird die Vierergruppe durch das Team aus Nordirland. Im Eröffnungsspiel der diesjährigen Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung traf Japan am Dienstag auf den Gastgeber aus Deutschland. Vor etwa 30.000 Zuschauern in der MSV-Arena in Duisburg unterlagen die Japaner Deutschland mit 0:3. Russland muss traf am Freitag im ersten Gruppenspiel auf die Mannschaft aus Nordirland antreten. Diese Partie endete 0:0.
Sechs Spieler des Japanischen Teams waren auch 2002 bei der WM im eigenen Land dabei. Und auch Russland stellt einige WM-erfahrene Spieler.
Wie ernst die Japaner diese WM nehmen, zeigt sich auch daran, dass ein japanisches Kamerateam die Vorbereitungen der deutschen Mannschaft »ausspionierte«. Auch heute in Stemwede wird ein TV-Team aus Japan am Platz sein, um das Spiel der japanischen Mannschaft und das ganze »WM-Drumherum« auf der Wehdemer »Ernst-Zobel-Kampfbahn« zu dokumentieren.
Im Vorfeld der Partie hat sich das lokale Organisationskomitee um ein altbekanntes und Turniererfahrenes Schieri-Gespann bemüht: Schiedsrichter Torsten Joerend und die Assistenten Michael Rudkowski und Jörg Upphoff. Kurzfristig wurde jedoch ein Schiedsrichter aus Mexiko für das WM-Vorrundenspiel zwischen Russland und Japan nominiert. Unterstützt wird er von den beiden »Lokalmatadoren« Michael Rudkowski und Jörg Upphoff. Torsten Joerend durfte dafür die WM-Partie zwischen Russland und Nordirland leiten.
Bereits ab 11.30 Uhr wird den Zuschauern auf der »Ernst-Zobel-Kampfbahn« ein großes Programm geboten. Im Festzelt an der Westseite des Sportplatzes informiert die Lebenshilfe über Hilfsangebote für Menschen mit Behinderungen. Um 13 Uhr wird das erste von zwei geplanten Einlagespielen zwischen der Lebenshilfe Lübbecke und der Lebenshilfe Minden angepfiffen. Um 14.30 Uhr folgt die Jugendpartie zwischen den C-Junioren vom SV Werder Bremen und einer Stemweder Gemeindeauswahl. Um 16.30 Uhr wird dann das Vorrundenspiel der INAS-FID Fußball WM 2006 zwischen Russland und Japan angepfiffen.
Den ganzen Tag über werden Showeinlagen das Rahmenprogramm abrunden. Mit dabei ist die Gaukler-Gruppe »Hueffer Spectaculum«, die Musikkapelle der Werkstatt für Menschen mit Behinderung sowie auch das Jugendblasorchester der Musik- und Kunstschule der Stadt Osnabrück, das auch die Nationalhymnen an diesem Tag spielen wird. Im Anschluss an das WM-Spiel wird es im Festzelt die »After-Match-Party« geben.
Ein Highlight: Die Sängerin des offiziellen WM-Songs, Amy Elaine, hat sich angekündigt und wird diesen, neben anderen Songs, im Festzelt präsentieren. Außerdem wird ein DJ für einen gelungenen »Ausklang« an diesem Abend sorgen.
Insgesamt 3500 Zuschauer dürfen am kommenden Montag bei der WM-Premiere dabei sein. Die Karten für das Spiel sind kostenlos, mussten allerdings im Vorfeld der WM-Partie reserviert werden. Aktuell sind etwa 3000 Tickets durch die telefonische Reservierung bzw. die Bestellung im Internet verteilt worden. Das Restkontingent gibt es nun nur noch an der Tageskasse ab 11.30 Uhr.
Für das WM-Spiel wurde eigens eine Zuschauertribüne aufgebaut. Außerdem gibt es ausreichend überdachte Zuschauerplätze, falls sich das Wetter am Montag nicht hundertprozentig in WM-Laune präsentiert. Die Organisatoren vom TuS Stemwede und der Lebenshilfe Lübbecke setzen auf eine fantastische Stimmung bei diesem einmaligen Ereignis im Altkreis.

Artikel vom 04.09.2006